goodgoods – so war’s für Frl. Emma

Eingang Süd der Hamburger Messehallen

Die Nacht war kurz. Jeder Besuch in meiner Heimatstadt Hamburg, wird für mich zu einem Marathon. Zu wenig Zeit, um all das Schöne wahrzunehmen, was mein Herz berührt.

Meine Mission: Ein Besuch auf der goodgoods - die Endverbrauchermesse für nachhaltigen Konsum.

Ziel war heraus zu finden, wie nachhaltig die Aussteller tatsächlich sind. Lange ist es her, dass ich nicht als Aussteller, sondern als Besucher an einer Messe teilgenommen habe und so stand ich prompt eine Stunde zu früh vor den Messehallen. 10.00 Uhr war Einlass für die Aussteller und um 11.00 Uhr wurden erst die Tore für die Besucher eröffnet. Ich hatte also eine Stunde gewonnen.

Uff…und das, wo ich so übernächtigt war.

Nachdem ich kopflos durch die Gegend irrte, entdeckte ich das zauberhafte Café “is schoen”, was zum Wohlfühlen nur so einlud. Mit einem “Moin – Sonnenschein” werde ich empfangen – hach, ich mag die Nordlichter. Als Raucher – ja ich weiß – nimmt man natürlich draußen Platz. Bevor ich es geschafft habe, mein Gehirn in Wallung zu bringen und darüber nachzudenken, was ich eigentlich bestellen möchte, tanzte auch schon die äusserst nette Kellnerin an, die mir von den Augen ablesen konnte, dass ich einen starken Kaffee und eine ordentliche Portion Vitamine bitter nötig hatte.

Und so brachte sie mir einen lekker MAMFE – nebst dem Kaffee versteht sich. MAMFE ist die “is schoen-Abkürzung” für den Mango-Maracuja-Physalis Cocktail, der müde Beine munter macht. Von meinem Platz aus konnte ich beobachten, wie sich nach und nach die Menschen vor den Toren der Messehalle tummelten. Gleich geht es los!

"is schoen - das Café zum Wohlfühlen im Hambuger Karolinviertel

Froh und munter und voller Energie – Dank der leckeren Fruchtbombe – machte ich mich auf dem Weg zur goodgoods. Natürlich nicht, ohne noch ein paar Flyer von unserem Shop bei “is schoen” auszulegen und ein paar Fotos von den Räumlichkeiten zu machen. Kleiner Tipp: Bei Eurem nächsten Besuch in Hamburg solltet ihr definitiv dort frühstücken gehen – einfach zauberhaft!!!

Auf zur goodgoods…..

Edding EcoLine

Es muss einem schon bewusst sein, dass es sich bei der Messe um “gute Produkte” handelt und nicht zwangsläufig auch um “reine Unternehmen”, sonst ist die Enttäuschung bereits zu Beginn vorprogrammiert – bis dato war mir nämlich nicht bekannt, dass Edding ein nachhaltiges Unternehmen ist oder die Cotton Made in Africa-Initiative von OTTO auch nur irgendwas mit Green zu tun hat.  

Aber gut – das ist wohl alles Definitionssache. Denn bis heute konnte man sich noch nicht auf eine einheitliche Beschreibung zum Thema “Nachhaltigkeit” einigen und das, wo es bereits einen ganzen “Markt der Nachhaltigkeit” gibt. Aber good ist ja schon einmal, dass daran gearbeitet wird.  

Natürlich wäre es gänzlich falsch zu behaupten, dass die Messe Etikettenschwindel betreibt. Der Grundgedanke ist super und am Anfang sind Fehler erlaubt. Es gab ja schließlich auch sehr gute andere Stände, die ein besseres Bild der Nachhaltigkeit präsentierten. Darunter faire PC-Mäuse, die aus Recycling-Material bestehen und in Behindertenwerkstätten hergestellt werden, stylische Wandlampen aus alten Vinyl-Schallplatten von Lockengelöt , deren Motto die “Zweckentfremdung” ist bis hin zu den Ständen von Unternehmen, die man auf solch einer Messe eben auch erwartet, wie z.B. Greenpeace Energy, Werkhaus  und Utopia.  

Ich machte also einen großen Bogen um die Unternehmen die sich nun auch darauf konzentrieren, an Mensch + Natur zu denken und plauderte fröhlich mit den kleinen Visionären, die lieber Vormachen statt missionieren. Dabei traf ich auf vier “für mich” ganz besondere Marken/Unternehmen, über die ich schon hier berichten möchte:   

Heidrun Lüdtke, Samt+Seife

Mit Samt und Seife.
Bereits zu Beginn traf ich auf die bemerkenswerte Frau Heidrun Lüdtke, die als Betriebsleitung bei Samt+Seife arbeitet. Ein sozialer Betrieb aus Hamburg-Steilshoop, der sich auf die Verarbeitung und Pflege von Textilien sowie die Abgabe von gebrauchter Kleidung spezialisiert hat. In drei Abteilungen – der Näherei, der Wäscherei und einem Laden für Mehrbedarf – werden 48 Frauen beschäftigt, die ökologisch bewusst und auf sehr hohem Niveau schneidern, waschen, bügeln, veredeln und vertreiben. Ihr Ziel ist es, die Ressourcen gesellschaftlich benachteiligter und erwerbsloser Frauen zu reaktivieren und sie im besten Fall in den allgemeinen Arbeitsmarkt zu integrieren.  

Natürlich stellt Samt+Seide auch aus gebrauchten Materialien Taschen und andere Produkte her, die sehr liebenswert sind und nachhaltig allemal.  

Voller Engagement erzählte sie von den Projekten und der Ausrichtung von Samt+Seife. Von guten Momenten und von schwierigen Momenten. Sie ist mit vollem Herzen dabei, was mich quasi dazu aufgefordert hat, mit ihr Telefonnummern auszutauschen. Ich bin total verliebt ♥  

alles dreht sich um fair-trade

Trinken hilft!
Der nächste Stand, an dem ich nicht spurlos vorbei gehen konnte, war der von LEMONAID. Drei Jungs aus Hamburg St. Pauli, die eine Berufung haben: “Bei allem, was wir tun, wollen wir immer schön fair bleiben. Schließlich dreht sich alles um Fair-Trade.”  Frei nach dem Motto “Trinken hilft” gründeten sie LemonAid.  

LemonAid ist halb Limonade, halb Entwicklungshilfe. Die Jungs setzen auf fairen Handel und stören sich dabei nicht, dass es ein klein wenig mehr kostet, dafür aber eine Menge bringt. Für ihre Vision und ihr Ziel haben sie ihren Brot+Lohn-Job an den Nagel gehängt und in ihrer Küche im Karoviertel in Hamburg angefangen Limetten zu pressen und Rohrzucker zu stampfen. Mittlerweile übernimmt ein kleiner Biobetrieb das Abfüllen, damit sich die Hamburger Jungen auf das Wesentliche konzentrieren können.  

pressen - rühren - abschmecken - schütteln - geniessen

Um Erinnerungen aufleben zu lassen, luden sie zum “selber machen” ein. Es wurde gepresst, gerührt und geschüttelt. Ich hätte stundenlang dabei zusehen können, wie einige um ihr Getränk kämpften. Tolle Idee und schmeckt definitiv nach mehr ♥ 

Grünes Radio.
Ein weiterer Augenschmaus waren – wie immer – die tollen Produkte von wooden-radio. Leider habe ich hier total verpasst, ein Foto zu knipsen – aber ich hatte ja noch eins vom letzten Pop Up Shop mit NIYMA. wooden radio ist der Direktimporteur der Magno-Serie vom Designer Singgih Kartono in Europa. Hinter wooden radio stehen die Soziologen Oliver Errichiello und Dr. Arnd Zschiesche aus Hamburg und Lübeck, die das Produkt 2006 auf der Jakarta Fair entdeckten. Auch, wenn sie schon damals das Produkt am liebsten mit nach Europa genommen hätten, mussten sie erst einmal eine lange Zeit des Austausches überstehen, bevor sie den Vertrieb für Europa übernehmen durften.  

Der Designer Singgih Kartono hat nämlich seine klaren Vorstellungen von Design und Ökologie und so war es ihm wichtig, sein “Baby” nicht einfach irgendwem mitzugeben, sondern diesen auch auf Herz und Nieren zu prüfen. Die Zeit war gut für die beiden um zu begreifen, warum ein so besonderes Radio in einer Region entsteht, die ansonsten oft mit Massenproduktion auf Kosten von Mensch und Umwelt verbunden wird. Heute sind die beiden stolz, den Vertrieb für ein Produkt zu übernehmen, dass nicht nur einzigartig ist, sondern hinter dem auch eine verantwortungsvolle Herstellungsphilosophie in Bezug auf Mensch und Umwelt steht. Love  ♥  

Bevor ich nun voll von Informationen aber auch Inspirationen meine Rückfahrt nach Düsseldorf antreten wollte, schenkte ich meine letzte noch vorhandene Aufmerksamkeit der charmanten Marke germanmade.  

Hintergrund: Nina Plum. Vordergrund: germanmade. iPad Case

Schutz von seiner schönsten Seite.
Die für mich schönste Möglichkeit ein technisches Lieblingsstück, wie das iPad, natürlich und sicher zu verpacken. Das junge Startup Unternehmen setzt auf den perfekten Mix von natürlichen Materialien, echter Handwerkskunst und viel Liebe zum Detail. Getreu dem Motto „Schutz von seiner schönsten Seite“ gehen sie dabei auch zeitgerecht und individuell auf Kundenwünsche ein und setzen alles daran, möglichst umweltverträglich, energiesparend und ressourcenschonend zu produzieren. 

Die handgefertigten  iPad Hüllen, die einen auf dem ersten Blick an ein klassisches Notizbuch erinnern, bestehen aus einem massiven Birkenholzrahmen, eingepackt in einem klassischen Bucheinband. Natürlich sind alle Anschlüsse und Bedienungselemente  des iPads frei gelegt und somit kinderleicht zu bedienen. Wer möchte, kann sein iPad auch einfach horizontal oder vertikal im vorhandenen –wie die Macher von germanmade. sagen – iPad Stand nutzen, um somit zum Beispiel Videos zu gucken. Sehr genial!

Was mir aber besonders gut gefallen hat, war eben diese unglaublich dienstleistungsorientiere Einstellung von Heiko Nemitz und Nina Plum, die germanmade. auf der goodgoods präsentierten. Ist mal ein Teilchen der tollen Hülle kaputt – kein Problem, man bekommt jedes einzelne Stück nachgeliefert. Auch auf Sonderwünsche wird eingegangen.  Das einzig Wichtige dabei ist, dass es noch ein germanmade.-Produkt bleibt. Aber das ist ja kein Problem bei einem so schönen Produkt.

Heiko Nemitz in Plauderlaune

Und wer möchte, kann es sich auch noch personalisieren lassen und sich sein ganz eigenes germanmade.-Produkt zusammen stellen. Hierfür gibt es auf der Internetseite von germanmade. den Konfigurator, der kinderleicht zu bedienen ist. 

Besonders gut hat mir auch die Aussage von Heiko gefallen, als wir über den Grünen-Boom sprachen. „Wir müssen nicht mit Bio werben! Für uns ist es selbstverständlich, dass wir mit schnell nachwachsenden Rohstoffen arbeiten und eine heimische Produktion vorziehen“ - und das ihr Produkt nachhaltig ist, sowohl im Design als auch in der Produktion und Langlebigkeit, haben sie allemal bewiesen. Top ♥

Fazit:
Die goodgoods war generell sehr professionell aufgezogen und bot mit einem abwechslungsreichen Sortiment einen schönen Einblick in die Welt der Nachhaltigkeit. Sie war sehr informativ und ist definitiv ein Besuch Wert. Zu wünschen wäre für das nächste Mal, wenn noch mehr goodgoods präsentiert werden und keine Produkte, die nur augenscheinlich den Eindruck von good erwecken.

Weitere Meinungen:
Messerückblick auf die goodgoods von Steinbach Strategien
Fr. Jona & Son
reverb Magazin

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6 Kommentare
  1. Nina sagt:

    Liebes Fräulein Emma,

    vielen Dank für die lieben Worte! Uns freut es natürlich immer, wenn wir so treffend und charmant beschrieben werden! Aber auch sonst, eine sehr gute Auswahl der ausgestellten goodgoods wird hier beschrieben!!!
    Herzliche Grüße von den germanmades

  2. Nina sagt:

    Du sprichst mit aus der Seele. Ich war auch da. Beschäftige mich erst neu mit dem Thema, aber verwundert war ich auch, dass Budni z.B. da war. Und schade fand ich auch, dass es kein Essen für veganer gab….hätte ich irgendwie erwartet. Naja. Schöner Beitrag. Freue mich immer Euren Blog zu lesen

  3. Frl_Emma sagt:

    Uii, 2x Nina :)
    Hallo ihr 2*
    danke für Euer Kommentar.

    @ Liebe Nina von germandmade,
    gerne, nicht dafür :) freut mich, dass Euch unser Beitrag gefällt – ihr habt aber auch sehr schöne Produkte. Freue mich, bald mehr von Euch zu lesen und wenn es neuen Stoff gibt…wir berichten gerne über Euch.

    @ Liebe Nina,
    es freut uns, dass Du eine regelmässige Besucherin von unserem Blog bist und schön, dass wir Dir einen kleinen Einblick in die Welt der Nachhaltigkeit geben können :) das mit dem Essen war mir natürlich auch aufgefallen. Aber das haben schon viele andere kritisiert, da wollte ich nicht auch noch darin rum stochern :) sie war auf jeden Fall nicht perfekt – aber für das erste Mal, war sie gut. Ein gutes Sortiment, professionell und recht übersichtlich. Nun muss sie noch ein wenig konsequenter in der Produktauswahl werden und das Thema Essen generell mehr aufgreifen. Aber das passiert dann vielleicht beim nächsten Mal. Und was hat Dir besonders gut gefallen?

    Liebe Grüße,
    Eure Frollein Emma

  4. Fr.Jona&Son sagt:

    Frollein Emma, Du hast einen sehr detailreichen Kommetar geschrieben.
    Und danke für Deinen Kommentar bei mir. So haben wir uns jetzt kennen gelernt :-)

    Liebe Grüße, Fr.Jona&son

  5. Frl_Emma sagt:

    Liebe Fr.Jona&son,
    danke auch für Dein Kommentar und viel Erfolg weiterhin.
    Ich freue mich, dass ich Dich entdeckt habe und werde jetzt eine regelmässige Leserin Deines Blogs :)
    Liebe Grüße, Frl. Emma

  6. [...] sehr, sehr schön sind, mich aber persönlich nur teilweise ansprachen. Ich traf einige Macher von LemonAid, tauschte meine Erfahrungen beim Abverkauf fair gehandelter und ökologischer Produkte mit Andrea [...]

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