Ja, ich will – aber grün muss es sein

Kleid: Andrea Klüsener; Foto: Rainer Rehfeld.

Der Frühling ist da und mit ihm drehen die Hormone durch. Es wird geflirtet, geliebt, geheiratet.

Das brachte mich dazu darüber nachzudenken, wie man denn eine “grüne Hochzeit” gestalten könnte. Ich hätte es natürlich ahnen müssen, dass mich dieses Thema anstecken wird. “Guck mal, ist das nicht der absolute Wahnsinn?” mein Herzallerliebster ahnte es schon, dass das Thema nicht ganz objektiv von mir behandelt wird, als ich ihm erzählte, dass ich über Green Wedding schreiben möchte.

“Grün zu heiraten liegt voll im Trend! Es ist nicht nur die Bekenntnis von zwei Menschen, die sich lieben und die den Rest ihres Lebens miteinander verbringen wollen, sondern vielmehr auch die Bekenntnis zu einem nachhaltigem ökologischem Leben”, ich schmolz dahin.

“Überleg mal wie viel damit zusammen hängt und wie unglaublich verschwenderisch eine Hochzeit doch eigentlich auch sein kann”, war dann unsere ernüchternde Erkenntnis. “Das viele Essen, die Einladungskarten vorher, die Dankeskarten hinterher, die Tischkarten, die Speisekarten, der Blumenschmuck, die Geschenke, die Hochzeitsreise, das Kleid, der Ring – uff…ein echter Wirtschaftsfaktor!”

Die eigene Hochzeit soll ja nun das schönste Ereignis im Leben sein und man möchte auch nicht auf all zu viel verzichten müssen. Aber wie, wenn man sie möglichst umweltfreundlich gestalten möchte – abgesehen vom nicht vorhandenen Budget? So machten wir uns beide an die Recherche und möchten unsere Ausbeute nicht vor Euch geheim halten. Hier mal ein paar Tipps von uns für Euch:

Die Location.
Zuhause ist es doch am Schönsten! Nein, ich meine jetzt nicht, dass man in seiner eigenen Wohnung feiern sollte - das ist in den meisten Fällen ja auch gar nicht möglich. Aber wer sich einen Veranstaltungsort in der Nähe seiner Familie und Freunde aussucht, vermeidet zumindest weite Strecken mit dem Auto und somit vermehrte CO2 Emissionen.

Toll ist z.B. eine Hochzeit auf einem Guts-, Bauern- oder Demeterhof. Oder wer am Wasser oder im Grünen wohnt, der veranstalte eine Feier unter freiem Himmel, mit einem süßen Pavillon sieht es doch auch richtig romantisch aus. Pavillons kann man auch mieten.

Das Kleid.
Ein grünes Kleid im wahrsten Sinne des Wortes, wird sich wohl kaum eine Braut kaufen wollen, aber wie wäre es denn mit einem Kleid aus z.B.  Biobaumwolle oder Bambus-Stoffen? Denn im übertragenen Sinne könnte sich diese Idee doch wohl eher durchsetzen. Die grüne Modewelt hat sich nämlich schon längst auch für den kommerziellen Markt geöffnet und ist mittlerweile in der Lage die wunderschönsten Stoffe fair und ökologisch herzustellen. Aber wo findet man ein solches Brautkleid?

Hochzeitskleid Malaika von The Cotton Bride

Man muss auf jeden Fall noch suchen. Es ist nicht einfach schöne, bezahlbare und umweltfreundliche Kleider zu finden. Besonders verliebt habe ich mich zum Beispiel in die Brautkleider von Morgan Boszilkov. Sie zaubert aus Hanf-, Ökoseide, Bambus und Biobaumwolle die wunderschönsten Hochzeitskleider.
Mein Favorit ist das Lauren Dress – so schön unkompliziert und doch romantisch. Leider haben wir hierzu kein Foto. Aber man kann auch gut in ihrem eigenen Web Shop stöbern: www.naturalbridals.com

Eine weitere Entdeckung im Netz ist The Cotton Bride. Wie der Name schon sagt, wird nur Baumwolle bzw. werden nur Naturmaterialien verwendet. Denn, falls ihr das noch nicht wußtet, die meisten Kleider sind aus puren Polyester bzw. Nylon. Alle Kleider von Chris Kole sind übrigens handgemacht und in den USA gefertigt.

Dann habe ich frisch Andrea Klüsener entdeckt. Die junge Modedesignerin schneidert in ihrem eigenen Atelier in Düsseldorf die zauberhaftesten Hochzeitskleider nach eigenem Kundenwunsch. Dabei bietet sie eine Auswahl an hochwertigen G.O.T.S. zertifizierten Stoffen. Natürlich gibt es auch Musterkleider, für die weniger Kreativen von uns. Was mir an Andrea besonders gefällt ist, dass sie einen eigenen sehr authentischen Stil nachgeht und all ihre Kleider in höchster Perfektion gefertigt werden. Alles hier in Deutschland, in ihrem schönen kleinen Atelier in Düsseldorf. Dabei kann man sich als angehende Braut auch noch richtig von ihr verwöhnen lassen, denn ihr Atelier wirkt fast, wie das eigene Wohnzimmer. Weitere Informationen über Andrea Klüsener berichten wir in einem nächsten Beitrag.

Hochzeitskleid von Andrea Klüsener. Foto: Rainer Rehfeld

Und dann gibt es natürlich auch die Möglichkeit, dass Kleid von Mutter oder Oma zu tragen – das hat dann gleich auch noch einen persönlichen Wert. Und wer an ein bereits getragenes Kleid denkt, was eine andere glückliche Braut in die Ehe begleitet hat, für die haben wir folgende Tipp’s: BravoBride oder RecycledBride.

Der Ring.
Mittlerweile gibt es einige Goldschmiede und Juweliere, die schmucke Stücke aus sozialverträglich gewonnenen und fair gehandelten Materialian anbieten. Auch hier muss man meistens nachfragen, aber es lohnt sich und der Preisunterschied ist nicht wirklich groß, denn häufig hängt ja der Preis vor allem von der Arbeit des Goldschmieds ab. Wünscht man sich einen Diamanten im Ehering, sollte man darauf achten, dass man keine so genannten Blutdiamanten nimmt, durch die Kriege in Afrika finanziert werden. Man kann den Juwelier fragen, ob er das Kimberly-Prozess-Zertifikat hat, dass sicherstellen soll, dass der Diamant aus einer konfliktfreien Quelle stammt.

Hier haben wir interessante Seiten für Euch gefunden, wo ihr Euch informieren könnt.
öko fair
fair-edelsteine

Trauringe von Heike Elfrink

Wer im Norden wohnt oder häufiger im Norden zu Besuch ist, der könnte dann auch gleich mit dem Ziel nach Hamburg fahren und dort die TrauringManufaktur besuchen. Seit 2004 werden in Hamburg St. Pauli bei der TrauringManufaktur von Jan Spille “Öko-Faire Trauringe” hergestellt. Ökologische Eheringe, die hochwertig und individuell sind, aber aus ökologisch  gefördertem Gold oder Recycling Gold hergestellt wurden.  “Wir fertigen hochwertige individuelle Trauringe aus Rohstoffen, die auf ökologisch- und sozial-gerechte Weise abgebaut, weiterverarbeitet und gehandelt wurden und/oder aus Recyclingsystemen stammen. Somit stehen unsere Öko~Fairen Eheringe gleichzeitig für Fair Trade Eheringe ebenso wie für Ökologische Eheringe.” so Jan Spille. Das wäre doch mal eine Reise Wert.

Wenn es bei uns soweit ist, habe ich allerdings schon die richtige Goldschmiedin für uns gefunden. Heike Elfrink zaubert in ihrem kleinen Atelier in Düsseldorf liebevoll die Eheringe für uns, die wir uns wünschen. Und bezahlbar sind sie allemal. Schlicht, elegant und zeitlos. Wie ein Ehering eben auch sein sollte.

Die Vorher-, Nachher-Karte.
Ihr könnt Eure Einladungen ganz traditionell auf dem Postwege versenden oder hübsch gestaltet per E-Mail. Das schont auch die Umwelt, und ausser der älteren Verwandten und Bekannten, besitzt eigentlich auch jeder eine E-Mail Adresse. Wer aber lieber den traditionellen Weg wählt, was ich absolut verstehen kann, der könnte seine Karten auf umweltfreundlichen Papier und mit umweltfreundlichen Farben in einer umweltfreundlichen Druckerei produzieren lassen. Die gibt es tatsächlich. Z.B. bietet die Druckerei DieUmweltDruckerei ein breites Sortiment nachhaltiger Printprodukte an. 100% Recyclingpapier und Druckfarben auf Basis nachwachsender Rohstoffe. Nun muss nur noch die Karte kreiert werden, wofür es ebenfalls Grafik Designer gibt, die im Sinne der Umwelt arbeiten. Man muss sie nur leider noch suchen. Ich habe das Glück, dass wir selbst über die nötigen Programme verfügen und uns das nicht nehmen lassen wollen, unsere Karten selbst zu kreiern. Aber für diejenigen, die keine Zeit oder Muse dafür haben, bieten sich viele Grafik Designer an, die Arbeit für Dich zu übernehmen.

Die Platzkarten.
Siehe “Die Vorher-, Nachher-Karte”. Tipp: Sehr süß sind aber auch Platzkarten aus Blütenblätter. Bei der Hochzeit meiner beste Freundin hatte ich die Ehre, mich um diese Dinge kümmern zu dürfen. Sie wollte schlichte Platzkarten, da wir den Tisch schon reichlich mit Deko gefüllt hatten. Daher habe ich mir einen Kalligrafiestift, Tinte und Registerkarten gekauft. Die Registerkarten habe ich jeweils in der Mitte gefaltet und mit einem Bleistift ganz vorsichtig den jeweiligen Namen vorgezeichnet. Mit der Feder habe ich es dann nachgemalt. Es sah toll aus. Als Vorlage für die Schriften habe ich mir einfach eine Vorlage in Powerpoint gebastelt und die Schrift “Script MT Bold” verwendet. Die Karten kamen sehr gut an und meine beste Freundin hat sich wahnsinnig darüber gefreut. Ich muss aber gestehen, dass das ganz schön viel Arbeit war und kann es nur denjenigen empfehlen, die dafür wirklich Zeit haben.

Die Blumendekoration.
Blumen gibt es aus fairem Handel – mittlerweile kann man sie sogar im Supermarkt kaufen. Man sollte bei seiner Auswahl jedoch darauf achten, dass es sich um Blumen der Saison handelt oder direkt bei der Gärtnerei um die Ecke einkaufen. Ich persönlich mag sowieso lieber Topfpflanzen. Man kann sie sehr hübsch dekorieren, hat viel länger was von ihnen und am Ende dürfen die Gäste eine Topfpflanze als Andenken mitnehmen. Mein Brautstrauss hingegen würde natürlich aus Schnittblumen bestehen. Ich kann meinen Freundinnen ja schlecht einen Blumentopf an den Kopf werfen :)

Das Essen.
Zunächst sollte man darauf achten, dass man saisonale und lokal produzierte Lebensmittel verwendet. Das sollte man ja generell versuchen. Es ist nicht immer einzuhalten, aber in den meisten Fällen müssen wir auf gar nicht soo viel verzichten. Wer eh schon so lebt, für den ist es auch kein Problem. Man kann tolle Dinge aus heimischem Anbau zaubern.

Die Musik.
Man kann einen DJ beauftragen und mit ihm die Wunschmusik durchsprechen oder selbst eine Playlist zusammen mischen. Da mein Freund Musiker ist, ist es bei uns klar, dass wir eine Band engagieren werden. Das finde ich persönlich auch viel schöner.

Und hier noch weitere Tipps von uns für Euch.
Brautmodegeschäfte in Eurer Nähe findet ihr zum Beispiel im Weddix Branchenbuch
Informatives zum Thema “Grüne Hochzeit”
Greatgreenwedding

Buchtipp:
Das Buch “Grün heiraten” von Bettina Pyczak, erhältlich über perfectday-online, ist ein Pocket-Ratgeber und enthält 100 konkrete Vorschläge für eine umweltfreundliche Hochzeit. Das Motto der Autorin “Jede Hochzeit kann mit wenigen “grünen” Ideen zu einer trendigen, natürlichen und ökologisch korrekten Traumhochzeit werden”.

Kerzen statt Feuerwerk:
Zauberhaft sind Kerzen in kleinen nicht entflammbaren Tüten, die man z.B. auf eine Wiese platzieren könnte. Sie sind sehr romantisch und weisen einem den Weg, wenn es dunkel ist.

Der virtuelle Hochzeitsplaner:
http://www.zankyou.com/de

Viel Spaß bei der Planung ♥

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1 Kommentar
  1. Maria sagt:

    Das ist TOLL! Vielen Dank für diesen perfekten Führer! Ich ergänze dass es nette Wäsche von Stella McCartney gibt (teuer…) oder aber von Hess Natur.

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