Baumwoll-Boom – Nachfrage gegen Angebot

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Wir lieben sie und tragen sie tagtäglich auf unserer Haut. Ob verarbeitet in Unterwäsche, Tank Tops, T-Shirts, Jeans, Nachtwäsche – die gute alte Baumwolle.

Baumwoll-Boom – Nachfrage gegen Angebot

Die Nachfrage ist höher denn je und mit ihr steigen auch die Preise. Kenner sagen „Der Markt ist in Aufruhr“. Die Aufregung ist groß. Der Preis des flauschigen Rohstoffes befindet sich im Höhenflug und ist seit Anfang letzten Jahres um über 140 Prozent gestiegen.

Das bedeutet im Umkehrschluss natürlich auch, dass die Preise der gefertigten Textilien ansteigen. Karl-Heinz Müller, Chef der größten Jeansmodemesse Bread & Butter, kündigte erst Anfang des Jahres an, dass Jeans aller Art teurer werden. Die Tage der Billig-Jeans könnten also gezählt sein.

Gründe hierfür findet man unter anderem in der hohen Nachfrage nach Baumwolle in China. Aber auch die Exporteinschränkungen in Indien, extrem niedrige Lagerbeständige in den USA und schlechte Ernten in Pakistan führen dazu, dass das Angebot stark verknappt.

Die Textilunternehmen in China ordern so viel Baumwolle wie nie zuvor. Grund hierfür ist unter anderem, dass China der Hauptlieferant für den begehrten blauen Stoff „Denim“ ist. Amerikanische sowie chinesische Unternehmen halten inzwischen sogar die versprochenen Baumwoll-Lieferungen zurück und horten Millionen von Ballen unter der Hoffnung, dass der Preis nach dem Lieblingsrohstoff weiter steigt.

Der Branchenverband International Cotton Advisory Committee (ICAC) berichtet erst jüngst, dass für die folgende Saison (Beginn August 2011) 25 Millionen Tonnen Baumwolle auf der Welt verbraucht worden – dem stand aber lediglich eine Produktion von 22 Millionen Tonnen Baumwolle gegenüber. Trotz, dass Indien sowie die Vereinigten Staaten mit einer höheren Ernte als im Vorjahr rechnen, kann die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage wohl nicht so schnell geschlossen werden.

Ausschlaggebend dafür sind schlechte Ernten, reduzierte Anbauflächen und die steigende Nachfrage aus China und Indien. Es fehlen wichtige Baumwollanbaugebiete aus Australien, die von schweren Überschwemmungen heimgesucht worden und auch Chinas Anbaugebiete mussten bereits in der Vergangenheit unter Rückgänge leiden.

Vor allem kleine besondere Marken leiden unter der Preisexplosion der Baumwolle. Marken, die unter fairen und umweltschonenden Bedingungen produzieren und deren Kosten hierdurch sowieso höher sind, als die der großen Anbieter von Massenprodukten.

Daniel Terberger, Vorstandsvorsitzender der Katag AG, einer der größten Einkaufskooperationen für mittelständische Modehändler in Europa, prognostiziert, dass die Mode bis Ende 2012 noch einmal um rund 10 Prozent teurer wird. Hauptgrund für die Preissteigerung sind laut Daniel Terberger die steigenden Baumwollpreise, die sich im Vergleich zum Vorjahr fast verdreifacht haben.

Nach Angaben von Terberger wurden bislang nur ein Drittel der gestiegenen Einkaufskosten an den Endverbraucher weitergegeben. Doch die Verbundgruppe aus Bielefeld rechnet angesichts des Kostendrucks ab Anfang 2012 mit einer Marktbereinigung und damit auch mit einem Aus für viele Modehändler.

Aber es gibt auch positive Neuigkeiten. Im April 2011 sank der Preis der Baumwolle von 2,44 US Dollar auf 1,73 US-Dollar je Pfund – das erste Mal innerhalb von sieben Monaten. Dank sinkender Nachfrage und dem Wechsel auf chemische Fasern entspannt sich der Markt wieder. Grund hierfür soll, nach Angaben vom ICAC, der begrenzte Zugang zu Krediten sein sowie die Tatsache, dass Baumwollgarne gar nicht so hoch gestiegen sind, wie der eigentliche Rohstoff.

Kenner schätzen, dass die globale Nachfrage nach Baumwolle im Erntejahr 2010/2011 mit rund 25,1 Mio. Tonnen auf dem Niveau des Vorjahres liegen wird und die verlangsamte Produktion in den Spinnereien sowie der Wechsel auf chemisch hergestellte Fasern die Nachfrage nach Baumwolle und damit auch den Anteil der Baumwolle am weltweiten Fasermarkt sinken lässt. Bei der Produktion hingegen rechnet der ICAC mit einem Anstieg von 11% auf einen neuen Rekordwert von 27,6 Mio. Tonnen in 2011/2012.

Das steigende Angebot wird die Nachfrage stützen, wobei hohe Preise und der verschärfte Wettbewerb mit Kunstfasern die Produktion von gesponnener Baumwolle auf 3% sinken lassen werde, prognostiziert das ICAC.

„Aus menschlicher Sicht – beängstigend“

Das Traurige am ganzen Baumwoll-Boom ist die Tatsache, dass immer mehr Bauern, die momentan noch Getreide anbauen, auf Baumwolle umsteigen, weil diese einen höheren Gewinn verspricht. Die New York Times spekuliert sogar, dass sich die großflächige Umstellung auf Baumwolle auf die Lebensmittelpreise auswirken könnte. Allein in den USA wächst der Anbau in diesem Jahr um 19 Prozent. Teilweise müssen für den Baumwollanbau Flächen weichen, die vorher dem Weizenanbau gedient haben.

Nach China und Indien sind die Vereinigten Staaten der drittgrößte Baumwollproduzent. Ob sich die Umstellung jedoch auszahlt, wird sich erst bei der Ernte im Herbst und Winter zeigen. Von den hohen Preisen profitieren zunächst erst die Bauern auf der Südhalbkugel, wo Ende April geerntet wird, beispielsweise in Australien und Argentinien.

„Für die Farmer ist die Entwicklung gut, aber aus humanitärer Sicht ist es schon beängstigend“, zitiert die New York Times einen texanischen Baumwollhändler. Möglich ist, dass Menschen in armen Ländern sich künftig noch weniger Lebensmittel leisten. Die Entwicklungsorganisation Welthungerhilfe hingegen vermutet positive Folgen im Baumwoll-Boom: „Endlich bekommen die Kleinbauern in der Sahel-Zone einen akzeptablen Preis für ihre Baumwolle“, so Ernährungsexperte Rafaël Schneider.

Davon könnten sich afrikanischen Farmer dann auch mehr Nahrungsmittel kaufen.

Tja, aber was ist, wenn die Bauern beginnen, einzig und allein auf den Baumwollanbau zu setzen? Wohlmöglich sich dafür noch Geld zu leihen? Wenn die Ernte dann platzt, weil die Regenzeit zu früh einsetzt oder aber der Preis fällt? Dann hätten sie nicht nur kein Geld, sondern auch keine Nahrungsmittel. Möglich ist auch, dass schlichtweg LKWs und Straßen fehlen, um die Baumwolle zu transportieren und sie zu verkaufen.

Aus diesem Grunde möchte die Welthungerhilfe den Bauern ermöglichen, verschiedene Feldfrüchte anzubauen und die Logistik zu verbessern. Damit nicht nur die Texaner vom Baumwollpreis profitieren.

Bleibt abzuwarten, welche Preise am Ende tatsächlich auf unseren T-Shirts, Jeanshosen und anderen Baumwollprodukten zu finden sind. Eines sollte uns allen aber langsam klar sein. Weniger ist mehr! Lieber ein Teil weniger kaufen und dafür das Geld an der richtige Stelle ausgeben. Billig-Produkte halten in der Regel nicht. Zudem sind sie weder nachhaltig, noch fair gehandelt. Alles, was wir damit tun ist, die Billig-Produzenten darin zu unterstützen, weiter zu machen und das auf Kosten von Mensch & Umwelt.

Quellen: utopia, FAZ, Der Handel, Süddeutsche Zeitung, New York Times
Einen Interessanten Radiobeitrag zum Thema „Kleidung wird kostspieliger“ findet man übrigens hier: Deutschlandfunk

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