Die Grausamkeit der Textilindustrie

Immer und immer wieder wird von den Hungerlöhnen, Kinderarbeit und den schlechten Arbeitsbedingungen der Fabriken in Niedriglohnländern berichtet, wo riesige Mengen an Kleidungsstücken hergestellt werden. Man sieht Bilder und Videos und möchte solch eine Arbeit doch wirklich nicht unterstützen. Aber warum boomen denn dann Kleidungsläden mit tiefen Preisen so sehr?

Wie das Handelsblatt in seinem Bericht über die Textilindustrie so schön sagt: Das schlechtes Gewissen der Kunden ist wohl doch nicht groß genug. Wirklich war haben will es wohl auch niemand. Trotz prüfenden Dokumentationen reden sich die Firmen immer wieder heraus. Und warum sollte man denn dann unabhängigen Reportern glauben, wenn man doch der Firma an der Quelle glauben kann, die auch bestimmt nichts zu verheimlichen hat. Oftmals interessieren sich die meisten Unternehmen noch nicht einmal für die Arbeitsbedinungen der Näher und Näherinnen, die in solchen Fabriken arbeiten. Sie verstecken sich gerne hinter Verträgen. Sie hören was sie hören wollen. Stichproben sind oft Fehlanzeige.

Die Fabriken sind auch mehr als clever. Gefälschte Papiere sind keine Seltenheit. Die meisten Prüfungen passieren auch nach Anmeldung. So kann sich die Fabrik bestens darauf vorbereiten. Ob in der Fabrik üblicherweise so produziert wird, wird oft nicht hinterfragt.

Viele Unternehmen die zu günstigen Preisen verkaufen lassen mittlerweile nicht nur mehr in China sondern auch in Bangladesh produzieren. Ein Mindestlohn von 30€ wird immerhin häufig bezahlt, allerdings arbeiten die Angestellten oftmals mindestens bis zu vier Stunden länger als eigentlich erlaubt. Auch fehlen oft Feuertreppen, so dass die Arbeitenden fast überhaupt keine Chance bei einem Fabrikbrand haben. Wieso unterstützt man denn solche Arbeitsbedingungen, wenn man einen gesunden Menschenverstand hat?

Weil gerade wir Deutschen großen Wert auf günstige Preise, auf ein gutes Preis-Leistungsverhältnis, legen anstatt einmal zu reflektieren was dadurch unterstützt wird. Es wird wohl auch noch einige Zeit dauern bis das in den Köpfen abgekommen ist. Jeder Skandal rückt die Verantwortung der Käufer hoffentlich mehr in den Mittelpunkt. Denn die Arbeitenden in den Niedriglohnländern sind auch Menschen, die ein Leben ohne Sorgen, mit genügend Geld und guten Arbeits- und Lebensbedingungen verdienen.

Quelle: Handelsblatt – Textilindustrie

Mit Anderen teilen:
  • Facebook
  • Twitter
  • Mixx
  • PDF
  • Print

4 Kommentare
  1. Andrea sagt:

    Na, also eigentlich finde ich das Angebot-Problem viel größer! Würde die Industrie nicht Billigklamotten auf den Markt werfen, würde der Verbraucher sie ja auch nicht kaufen. Man könnte ja auch da anfangen.
    Der Kaufreiz wird ja erst richtig geschürt, wenn der Verbraucher eigentlich “nur” eine Hose brauch. Aber dann liegen da noch Blusen für 9,99 REGULÄR und man denkt sich, die nimmt man noch mit, ist ja eigentlich ganz süß. Eigentlich braucht man sie auch nicht, aber eigentlich sind zehn euro auch zu wenig um sie einfach liegen zu lassen.

  2. Frl. Melmo sagt:

    Allerdings Andrea, damit liegst du natürlich nicht falsch. Man kann bei Angebot aber auch der Nachfrage ansetzen. Allerdings ist es in der Regel ja so, dass sich das Angebot nach der Nachfrage richtet. Wenn Konsumenten sich bewusst gegen diese Billigprodukte entscheiden und die Nachfrage sinkt, erst dann denke ich, wird sich wirklich etwas in der Industrie ändern.
    Und da hast du natürlich auch Recht. Kleine Preise können ganz schön verführerisch sein!

  3. Claudia sagt:

    Wir müssen aufwachen und endlich Verantwortung übernehmen. Wir sind alle keine “unmündigen” Verbraucher.
    Das Argument würde die Industrie nicht Billigklamotten auf den Markt werfen, würden sie die Verbraucher nicht kaufen kann und darf kein Argument sein!
    Habe vor einigen Wochen noch mal einen Bericht über die Produktion von Jeans in China gesehen. Da kann ich jetzt nicht mehr die Augen verschliessen und so tun als ob mich das nichts anginge.
    Es ist schön zu wissen, dass es immer mehr tolle Designer gibt, die Verantwortung übernehmen und “grüne Mode” entwerfen. Um so schöner ist es doch, dass es so einen wundervollen Onlineshop wie Definitionssache gibt! Die Fräuleins sind immer wieder auf der Suche nach neuen Lieblingsstücken, die wir dann ohne schlechtes Gewissen und mit viel Freude tragen können.

  4. [...] oder später muss neue Kleidung her. Leider ist die meiste Umstandsmode sehr teuer, wenn sie qualitativ hochwertig und möglichst schadstoffarm sein soll. Aber möchte man viel Geld für Mode ausgeben die man meist nur wenige Monate [...]

Diesen Artikel kommentieren