Weder schwarz noch weiß – die BUGA 2011 in Koblenz
Als Pflanzenliebhaber und Hobbygärtner habe ich mich alleine schon über die Nachricht gefreut, dass 2011 die Bundesgartenschau in das nahegelegene Koblenz kommen soll. Bisher bin ich nur auf den Spuren der vergangenen BUGAs in Köln (von 1957) und Düsseldorf (von 1987) gewandelt. Was auch im “heute” eine große Freude ist. Vor 6 Jahren konnte glücklicherweise die Landesgartenschau live in Leverkusen erleben. Ein sehr schönes Erlebnis, an das ich noch lange zurück denken musste. Nicht ganz ohne Erwartungen betrete ich daher an einem regnerischen Tag im August das Gelände der BUGA 2011. Ich bin gespannt!
ZUM HINTERGRUND DER BUGA 2011:
Die BUGA 2011 findet zum ersten Mal in Rheinlandpfalz, und zum nun schon 31. Mal seit den 50er Jahren, diesjährig in Koblenz statt. Vom 15. April bis 16. Oktober 2011 kann man auf einem Areal von insgesamt 315.000 m² drei verschiedene Bereiche besichtigen. Unter dem Motto „Koblenz verwandelt“ war es mitunter Ziel diese drei Bereiche im Sinn eines „Zeitenwandels“ zu integrieren. Dabei sollte eine Brücke zwischen den historischen Gebäuden und der gärtnerischen Moderne geschlagen werden. Realisiert wurde die BUGA mit einem Gesamtbudget von 102 Millionen Euro, wovon das Land 49 Millionen und die Stadt Koblenz selbst 28 Millionen getragen hat. Der Rest sollte weiter über Eintritts- und Sponsorengelder finanziert werden bei einer Besucherzahl von mindestens zwei Millionen Gästen. Diese sind bereits im August, circa zwei Monate vor BUGA Ende, erreicht. Neben dem Thema Garten wird, wie bei jeder BUGA auch, das Stadtbild auf spezifische Art aufgewertet. So war es zum Beispiel vor der BUGA 2011 Autos noch erlaubt im nördlichen Bereich der Rheinpromenade zu fahren. Jetzt ist die Promenade autofrei. Zwischen neu verlegten, einheitlichen Fließen, frischen Blumenkübeln und jungen Eichen, flanieren nun Koblenzer wie Touristen.
Die dicken Quellwolken am Himmel lenken zu Anfang noch etwas ab, doch mit Schirm gewappnet und nach ersten Schritten Richtung Koblenzer Schloss, ist die Sorge um den Regen verschwunden. Ein Blumenteppich aus verschieden Farbharmonien erwartet die Besucher vor dem kurfürstlichen Schloss. Satte Rot-, Orange- und Gelbtöne lassen den Regentag zum Sonnentag werden. Mein Gärtnerherz blüht auf. Von hier aus starte ich die Tour über das gesamte Gelände, das in drei Hauptbereiche aufgeteilt ist: der Platz vor dem Kurfürstlichen Schloss und das Areal um das Deutsche Eck am Rhein, sowie der Park um die Festung Ehrenbreitstein. Von den rekonstruierten Gärten des Schlosses geht es auf der neuen Uferpromenade weiter bis zum Deutschen Eck. Schön, gepflegt, Blumen in Kübeln.

Etwas freier angeordnet, und mehr in meinem Geschmack, ist das Dahlienbeet kurz vorm Eck. Mitten auf einer Wiese zwischen Aktionsbühnen und Essbuden, leuchtet ein Farbenmeer aus lila, rosa, aubergine, flieder, pink, rosarot, rose, weiß und purpur. Für einen Moment tauche ich darin ab, versunken mit der Kamera immer am Drücker. Nach dieser ausgiebigen Fotosession und dem Spaziergang über die BUGA Flächen am Rhein, geht´s hoch zur Festungsanlage per Seilbahn. Diese wurde eigens für die Gartenschau entwickelt und gebaut. Auch aus ökologischen Gründen, so heißt es. Von hier oben eröffnet sich ein weiter Blick über Koblenz, den Rhein und die Berglandschaft in der Ferne.
Oben an der Festung angekommen wirkt es schon wesentlich grüner und gärtnerischer als in der steinlastigen Stadt. Die Gartenattraktionen reihen sich hier um eine freie, grüne, große Grasfläche. Über einen Weg, der ab und an durch Blumemeere unterbrochen wird, läuft man hier geführt im langen Oval von Gemüseanbau über Wald im Wandel bis Blumen in Kästen. Hört sich viel an, ist aber überschaulich. So langsam werde ich etwas ungehalten beim Blick auf den Plan: knapp 80 % der BUGA habe ich bereits gesehen und warte immernoch auf DAS Besondere. Ok, ich sollte mir erst am Ende ein Urteil bilden. Also geht es weiter in eine der thematischen Blumenhallen. Übrigens sehr gut geeignet als Unterschlupf bei plötzlichem Platzregen.
Die Liegen zwischen den neu gepflanzten Eichen laden zu einer entspannten Pause ein. Doch das Gefühl nicht alles gesehen zu haben drängt weiter. Viel mehr gibt es aber auch nicht zusehen, stelle ich kurz darauf in den Tunneln der Festung statt. War es das jetzt schon? Oder war ich einfach zu unaufmerksam, so dass ich etwas verpasst habe? Ein Blick auf die Uhr: früher als gedacht. Der Ausblick vom Plateau der Festung über Koblenz und ein zuckersüßer Maracuja-Eisbecher trösten mich. Auf dem Rückweg von der Festung ins Tal werde ich das Gefühl nicht los entweder einen Flop erlebt zu haben oder auf hohem Niveau zu meckern. Es ist wohl eine Mischung aus beidem.
MEINE KONTRAS: Was lässt mich die BUGA 2011 nicht unbeschwert genießen? Seitdem ich mich verstärkt mit dem Thema Permakultur und biologisches Gärtnern beschäftige, desto mehr hinterfrage ich den Sinn und Zweck einer Bundesgartenschau, bei der es scheinbar vordergründig darum geht, wie das Wort schon sagt, Garten bzw. Pflanzen zur Schau zu stellen. Es ist auch das Bewusstsein für die Bedeutung von nachhaltigem Handeln, in allen Bereichen. So gelingt es mir nicht den Festungspark in diesem Moment einfach nur als Teil einer „Show“ zu betrachten. Ich dreh an der Uhr, 1 Jahr später und sehe einen langweiligen, grünen Park, der 2011 einmal in schillernd bunten Farben lebte. Was man nicht alles mit einer so großen, freien Fläche machen könnte, um „denen danach“ einen Garten für die Ewigkeit zu bescheren. Ist es doch gerade die Natur, die uns überlebt, sich ununterbrochen regeneriert und sich am bestens entfaltet, wenn man sie lässt. Hier sind nur Pflanzen, die für einen Moment bestehen und nur mit menschlicher Hilfe bleiben können.
MEINE PROS: Neben all der Kritik und dem für mich fehlenden nachhaltigen Konzept, bleibt die Liebe zur Natur und den Pflanzen. Es wäre schade wenn sie darunter leiden würden, so ist es doch der „Garten“ (als Synonym für alles Grüne) um den es hier geht. Und genau dieser bringt mich zum Staunen auf der BUGA. Nichts kann reicher an Farben und Formen sein, wie die Pflanzenwelt. Es ist einfach unglaublich welch prächtige Farbteppiche sich über ausgewählte Felder der Bundesgartenschau ausbreiten. Die Natur schenkt uns ganz selbstlos und selbstverständlich dieses Wunder, welches wir einfach bestaunen dürfen. Wenn man sich die Zeit nimmt, und das kann man hier sehr gut, und eine Blume betrachtet wie als wäre es die Erste, so entstehen viele kleine Wunder: Farben die von alleine einfach da sind, Formen die an 70er Jahre Mustertapete und moderne Stoffdrucke erinnern. Die blumigen Farbwelten wirken auf dem Display meiner Kamera wie harmonische zusammengestellte Farbkarten, die man sonst aus Mode und Möbeldesign kennt. Kein Wunder, dass ich mit den Gedanken zu meinem Kleiderschrank abdrifte…
Neutral kann man wohl kaum über eine polarisierende Veranstaltung wie die BUGA schreiben. Ist vielleicht auch gut so, da es zeigt wie viel Emotionen und Empfindungen darin stecken. Neben der reinen Geschmacksfrage, spielt natürlich auch das Thema Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle. Gerade als nicht nur lokales sondern bundesweites Ereignis, ist jeder Bundesbürger Teil davon. Daher hat auch jeder seine ganz eigene, berechtigte Meinung dazu. Was meint ihr? Wart ihr schon da und seid begeistert? Oder steht ihr der BUGA eher kritisch gegenüber? Wir freuen uns auf Eure ganz eigene Meinung und eine vielfältige Diskussion!




