Unser Kinotipp: “GOOD FOOD BAD FOOD”

Das nassgraue Wetter lockt in die kuscheligen vier Wände der Kinos. Die sich häufenden Meldungen über den Dioxin-Skandal in einen ganz besonderen Film: “GOOD FOOD BAD FOOD – Anleitung für eine bessere Landwirtschaft”.
Nächste Woche Donnerstag am 20. Januar startet der Dokumentarfilm von Coline Serreau in den deutschen Kinos.

Es ist ein Film, der zwar die Besorgnis erregenden Folgen der industrialisierten Landwirtschaft darstellt, jedoch nicht mit erhobenem Zeigefinger darauf zeigt. Der Untertitel des Filmes („Anleitung für eine bessere Landwirtschaft“) deutet bereits an, dass er vielmehr um wirksame Lösungsmodelle für eine nachhaltige Landwirtschaft geht.

Die französische Regisseurin setzt in ihrem neusten Werk bei der Basis einer jeden Gesellschaft an: dem Boden. Denn klar ist, dass die Art und Weise der Nutzung unseres Bodens die damit einhergehenden sozialen und ökologischen Folgen bestimmen. Indem große Konzerne nur ausgewählte Saatgüter patentieren, zwingen sie die Landwirte in eine regelrechte Abhängigkeit. Während dadurch eine Vielzahl von regionalen Saatgütern  ausstirbt, wächst die Kontrolle der Konzerne über die gesamte Lebensmittelproduktion. In Folge steigt die Armut und Hungersnot in den Gegenden der Welt, die abhängig von der regionalen Landwirtschaft sind. Aber auch wir sind davon betroffen, wenn wir schweigend andere bestimmen lassen welche Inhalte unsere Lebensmittel haben dürfen.

Umso ermutigender sind die Portraits der Menschen in dem Film und ihre wirkungsvollen Lösungsmodelle. In wortstarken Bildern schildern sie ihre persönlichen Geschichten, Probleme, Herausforderungen, Lösungen und Erfolge. Alle Lösungen vereinen das Ziel der nachhaltigen Landwirtschaft, die den Einsatz von regionalem Saatgut vorsieht und damit die Artenvielfalt fördert, auf chemische Düngemittel verzichtet und natürliche Alternativen setzt, um den Boden zu regenerieren und das Wasser sauber zu halten.

Das beeindruckende daran ist, dass egal aus welchem Teil der Welt und unterschiedlicher Kultur die Protagonisten auch kommen mögen; sie teilen alle denselben Idealismus der Umwelt mit Respekt zu begegnen und sie zu schützen. Coline Serreau kommt damit ihrem Anliegen zu Beginn ihrer Recherchen für den Film nach „nicht nur Theoretiker und die Wortführer verschiedener Bewegungen zu Wort kommen zu lassen, sondern mindestens in gleichem Maße auch die Bauern und die kleinen Leute, die die wahren Akteure und Wegbereiter des Wandels sind.“ Besonders ansteckend ist die Vorstellung, dass ein einzelner ideeller Gedanken zu einer großen und wirksamen Maßnahme werden kann, wenn man sich vereint. „ GOOD FOOD BAD FOOD“ zeigt uns, „dass es auf der ganzen Welt Leute gibt, die, ohne einander zu kennen, das gleiche tun, dieselbe Lebensphilosophie teilen und der Erde, die uns alle ernährt, mit demselben Respekt begegnen. Das wahre Anliegen des Films bestand also darin, den universellen Charakter der verschiedenen Lösungen genauso wie ihre verblüffende Einfachheit hervorzuheben.“

Mit diesem Trailer geben wir Euch einen kurzen Einblick in die Geschichte des Films. Er zeigt den Protagonisten Philippe Desbrosses (Landwirt und Doktor der Umweltwissenschaft) mit seiner fast unglaublichen Erfahrung über „Geldstrafe statt Orden“:

Premieren, Previews und Filmstarts

Im Rahmen der Premieren und Previews von „GOOD FOOD BAD FOOD “ werden im Anschluss offene Gespräche und Diskussionen mit Fachleuten von GREENPEACE, BIOLAND, der Zukunftsstiftung Landwirtschaft und anderen Organisationen veranstaltet. Weitere Details zu den Veranstaltungen in den jeweiligen Städten könnt ihr unter www.goodfood-badfood.de nachlesen (extra Button oben auf der Website).

Premieren finden statt in:
Hamburg: Montag, 17.01.2011, 19.30 Uhr, Abaton
Berlin: Dienstag, 18.01.2011, 20.00 Uhr, Kulturbrauerei
München: Mittwoch, 20.01.2011, 20.00 Uhr, City

Previews mit Gästen und Gesprächen werden veranstaltet in:
Bamberg: Sonntag, 16.01.2011, 11.00 Uhr, Odeon
Heidelberg: Sonntag, 16.01.2011, 11.30Uhr, Gloria
Karlsruhe: Sonntag, 16.01.2011, 11.00 Uhr, Schauburg
Hannover: Montag, 17.01.2011, 19.30 Uhr, Kino am Raschplatz
Mainz: Montag, 17.01.2011, 20.30 Uhr, Capitol
Frankfurt: Dienstag, 18.01.2011, 20.00 Uhr, Harmonie
Stuttgart: Mittwoch, 19.01.2011, 19.30 Uhr, Delphi

Und Filmstarts mit Gästen und Gesprächen gibt es in:
Dresden: Donnerstag, 20.01.2011, 20.00 Uhr, Schauburg
Düsseldorf: Donnerstag, 20.01.2011, 19.15 Uhr, Düsseldorfer Filmkunstkinos
Freiburg: Donnerstag, 20.01.2011, 19.00 Uhr, Friedrichsbau-Apollo
Göttingen: Dienstag, 25.01.2011, 20.00 Uhr, Lumiere
Köln: Donnerstag, 20.01.2011, Uhrzeit tba, Filmpalette
Nürnberg: Donnerstag, 20.01.2011, Filmhaus
Tübingen: Donnerstag, 20.01.2011, 20.00, Museum
Ulm: Donnerstag, 20.01.2011, 20.00 Uhr, Lichtburg

Weitere Informationen
Eine ausführliche Beschreibung des Film, ein Interview über die Hintergründe mit der Regisseurin Coline Serreau, alle Trailer und ein „ABC der Landwirtschaft“ findet ihr unter www.goodfood-badfood.de. Außerdem wird relevanten Gruppen, Organisationen, Vereinen und Institutionen die Möglichkeit angeboten sich mit „GOOD FOOD BAD FOOD“ zu vernetzen und damit gegenseitig füreinander zu werben.

Wir machen mit!

Auch wir sind bei dem Filmstart dabei, weil uns das Thema persönlich interessiert (Dioxin-Skandal), und schauen uns den Film mit oder auch für Euch an. Im Anschluss wird es in unserer Stadt eine offene Diskussion mit zwei Biobauern aus der Region zum Thema „nachhaltige Landwirtschaft“ geben. Darüber werden wir Euch natürlich in einem zweiten Teil berichten. Die Freude auf einen gemütlichen Abend im Kinosessel, weit ab vom Regen vor der Tür, ist jetzt schon riesig!

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6 Kommentare
  1. [...] Informationen und Kritiken zum Film gibts auf definitions-sache und für eine bessere [...]

  2. Patrick sagt:

    Ich habe mir den Film heute gleich angeschaut, da das Thema Ernährung ja momentan sehr gehypt wird. Ich muss sagen, der Film ist nicht ganz so spektakulär wie Food Inc. oder We feed the world, die in den letzten Monaten und Jahren für mehr Furore gesagt haben. Aber es gibt auf jeden Fall mal Hintergrundwissen zur Landwirtschaft. Als Städter bekommt man davon ja nicht mehr viel mit und ist ziemlich weit entrückt von der Lebensmittelproduktion. Wer also noch etwas dazulernen möchte, sollte sich den Film ruhig mal anschauen.

  3. Frl. Leni sagt:

    Da gebe ich Dir Recht: “GOOD FOODBAD FOOD” ist im Vergleich zu beispielsweise “We feed the World” weniger provokant und direkt. Aber ich finde, dass genau darin das Spektakuläre liegt. Mit welcher Einfachheit man Landwirtschaft umwelt- und sozialfreundlich betreiben kann, hat mich in dem Film beeindruckt. Jedes Land, das dargestellt wurde, hat für sich eine Lösung gefunden, die als Vorbild für eine “große” Landwirtschaft dienen könnte. Ebenso erstaunlich finde ich, dass die weltweite Landwirtschaft, auch unsere in Deutschland, noch bis vor dem Krieg genauso “einfach” und unabhängig funktioniert hat. Als ich mich am Wochenende meinen Freunden von den Film berichtet hab, kam genau dieses Feedback zurück: “So kenne ich das noch von meinem Großeltern. Da hat sich jeder Bauer selbst versorgt oder das ganze Dorf gleich mit”.

    Ich glaube, dass wir als Städter (da schließe ich mich mit ein) den direkten Bezug zu der Lebensmittelproduktion jeglicher Art teilweise verloren haben, weil wir entweder nicht mehr damit aufgewachsen sind und uns dieses Art zu leben im Alltag kaum noch begleitet. Wir kennen Lebensmittel nur noch als fertiges Produkt im Supermarkt und bekommen alles wann und wie wir wollen. Dadurch verlieren wir das Ursprüngliche, das Natürliche und entfremden uns davon. Um so wichtiger finde ich solche Filme und die Gespräche darüber, um diese genau diese ursprüngliche Art nicht zu vergessen und an die nächsten Generationen weiterzugeben. Das ist mein persönliches Fazit von dem Film. Und Du wirst erstaunt sein, was man anstoßen kann wenn man sich mit Menschen darüber unterhält, die eigentlich “Bio” für viel zu überbewertet halten.

    Ging es Dir denn ähnlich mit den Reaktionen auf den Film? Oder meinst Du, dass der Film in der Masse eher untergehen wird?

  4. Frl. Emma sagt:

    Am Wochenende bin ich nach Berlin gefahren und musste den Weg über die Autobahn nehmen. Die rechte Spur stockte, also fuhr ich auf der linken Spur um die anderen Fahrer zu überholen. Dabei fuhr ich an einem Schweinetransporter vorbei. Mein Herz hörte auf zu schlagen und in mir stieg eine unendliche Traurigkeit empor. So viele eng aneinander gequetschte Tiere. Ich musste die Spur zurück auf die rechte Spur wechseln und erst einmal langsamer fahren, bis ich mich gesammelt habe.

    Ich bin “leider” Fleischesser, zähle aber zu den Menschen, die “BEWUSST” Fleisch konsumieren. Wir sollten es alle lernen. Hier geht es zwar in de Doku nicht um das Fleisch, aber um das “Bewusstsein” und das sollten wir doch alle für uns, für unsere Umwelt und für unser Leben haben!

    Zum einkaufen verwende ich das App “Erntefrisch”. Ein kleiner Einkaufshelfer, der einem sagt, welche Produkte gerade heimisch sind und welche importiert sind. Wenn man nicht genau weiß, welche Produkte gerade aus unserer Region kommen, kann man sich damit helfen. Es ist kostenlos und ideal für alle, die keine Zeit haben, sich noch mehr damit auseinander zu setzen. Und die meisten haben doch heute ein iPhone. Ich kann es nur jedem ans Herz legen.

    …und Fleisch kaufe ich nur im Bio-Markt. Wer so selten Fleisch isst wie ich, der kann auch 1,2 Taler mehr dafür ausgeben. Und sowieso schmeckt es um Längen besser.

  5. AnONYM sagt:

    @Emma – nee, ich habe kein iPhone, aber man sieht es an den Preisen was aktuelle Ware ist, und ich frage immer wo es herkommt. Ich esse ja sehr gerne Fleisch, war auch 5 Jahre Vegetarierin, muss aber sagen dass ich ausschließlich Bioland oder Demeter esse. Selten, weil die Preise horrend sind; aber es langt einmal die Woche, das macht dann auch richtig satt und dann reicht mir Pasta :-)
    Als ich wieder anfing Fleisch zu essen war ich vorher zu Besuch bei einem der Gründer des Demeter-Verbandes, und ich hatte keine Ahnung von dem Kram. Ich war ja auch über Freunde da; hatte mit Öko nicht viel am Hut! Ich fing dann an, wieder Fleisch zu essen, nachdem ich gesehen habe dass die Tiere ganz anders gehalten werden; sie werden nur erwachsen geschlachtet (kein Kalbfleisch) und weil ich gesehen habe was überhaupt für eine Einstellung der Menschen dahinter steckt. Irgendwann haben sie mich gefragt ob ich nicht ein bisschen für sie arbeiten mag, tat ich dann auch und habe viel gelernt. Ich esse mittlerweile so oft wie möglich vegan, und wenn mein Körper sagt Steak, dann esse ich eben ein Steak. Ich kann es mir schon deswegen leisten weil ich fast nie essen gehe. Mittlerweile haben einige Restaurants der gehobenen Preisklassen Fleisch und Gemüse aus Ökoproduktion, aber das leiste ich mir auch nur einmal im Jahr. Dann aber umso dekadenter und mit Genuss.
    Ich freue mich dass viele sich langsam dahin bewegen, ich lade immer Leute zum Essen ein. Die sehen das es auch anders geht – es gibt ein Leben jenseits von Aldi!

  6. [...] bzw. ungewöhnlich herzlich ist der Blog von definitions-sache, der das Thema Nachhaltigkeit, Fairtrade, Eco-Fashion und schöne Dinge im Allgemeinen breit [...]

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